Fama Europae

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Fama Europae - Ballroom 2016

Collage Installation of Camera-Phone Pictures on Wallpaper

The photos at the heart of this installation show details of the oldest known photograph of the ballroom in Augsburg’s Schaezler Palace. This magnificent rococo-style ballroom was swiftly completed in 1770 for a visit, on April 28, by Princess Marie Antoinette who was traveling to Versailles for her wedding. Presumably taken by Carl Jochner, the photograph from the 1870s has been preserved as an albumen print. Camera-phone pictures of this photo are used to complete and “re-construct” the ballroom by means of montages. The resulting 360 degree panorama is printed on pieces of wallpaper and collaged onto the walls and ceiling of a room at the H2 — Center for Contemporary Arts inside the Augsburg Glaspalast. The technical installations (ventilation, smoke detector, striplights) and structural elements remain visible. Other than that, the room is empty.
The title Fama Europae – Festsaal 2016 derives from the allegorical imagery of the ceiling fresco in the Schaezler Palace ballroom. Benedikt Adam Liebert, banker, monopolist and manager of the consortium Liebert, Carli und Köpf, had Europe placed at the center of the painting, residing on a cloud and clad in a gold-bordered garment. Lying around her we see tablets of law, books, a celestial globe and weapons. Sounding a trombone, Fama heralds the glory of Europe. Mercury, the god of merchants and thieves, rains down gold from a horn of plenty. The edges of the ceiling fresco show depictions of the other continents.

Fama Europae - Festsaal 2016

Eine Installation als Tapetencollage aus Handyaufnahmen

Die Handyfotografien sind Aufnahmen von Ausschnitten der bislang ältesten bekannten Fotografie des Festsaals des Augsburger Schaezlerpalais. Vermutlich stammt diese als Abzug auf Albuminpapier erhaltene Aufnahme aus den 1870er Jahren von Carl Jochner. Aus verschiedenen Handybildern von der Fotografie Carl Jochners wird der Festsaal durch Montagen vervollständigt und „re-konstruiert“. Dieses Rundumpanorama wird auf Tapetenbahnen gedruckt und an die Wände und die Decke des dritten Kabinetts im H2 kollagiert. Die Deckeninstallationen (Lüftung, Rauchmelder, Lichtleisten) und die beiden Pfeiler werden freigehalten. Ansonsten bleibt der Raum leer.

Der Titel der Arbeit Fama Europae -Festsaal 2016- ist abgeleitet von der allegorischen Darstellung des Deckengemäldes im Festsaal des Schaezlerpalais. Benedikt Adam Liebert, Banker, Monopolist und Manager des Handelskonzerns Liebert, Carli und Köpf, ließ 1767 dort im Zentrum des Freskos Europa in goldgesäumtem Gewand auf einer Wolke residieren. Um sie herum lagern Gesetzestafeln, Bücher, Himmelsglobus und Waffen. Fama verkündet Posaune blasend Europas Ruhm. Merkur, der Gott der Händler und Diebe, schüttet Gold aus einem Füllhorn herab. Am Rande des Deckengemäldes finden sich Darstellungen der anderen Kontinente.

Fama Europae - Festsaal 2016

Eine Installation als Tapetencollage aus Handyaufnahmen

Die von Christof Rehm projektierte fotografische Installation ist ein raffiniertes Spiel mit historischen Ebenen. Sein bühnenhafter Illusionsraum, der mit fotografischen Mitteln eine begehbare Skulptur entwirft, stellt zugleich die Frage nach dem Umgang mit Räumen, mit Räumlichkeit und Ihrer Rekonstruktion. Die von Rehm erstellten Handy-Fotografien – vom Künstler in einer bewusst ‚schlechten‘ Qualität aufgenommen – wollen dabei ihre Wirkung weniger durch fotografisch-professionelle Brillianz entfalten, als vielmehr durch die Erzeugung einer ganz eigenen atmosphärischen Qualität. Die collagierten, zu einem Rundumbild zusammengefügten Einzelfotos ziehen sich als eigene Schicht (und Sicht) über die darunter liegende Ebene des im 19. Jahrhundert fotografierten Saals, der also an sich nicht selbst, sondern seinerseits schon medial vermittelt sichtbar wird: Der Raum erscheint hier als Idee, als eine künstlerische Projektion weniger anhand von, sondern durch die Fotografie. Damit wird die alte Frage nach dem, was wir sehen und wie wir es sehen, nach Bild und Abbild, nach den Dingen hinter den Bildern, letztlich nach unserem Blick auf die Welt und wie wir uns in ihr bewegen um eine weitere Nuance bereichert.

Dr. Thomas Elsen H2 - Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast Augsburg